Ein Google-Account ist der zentrale Zugriffspunkt für die digitale Identität vieler Menschen. Sehr vieler Menschen. Per SSO erhalten wir Zugriff auf viele Plattformen und Systeme. Die Kommunikation läuft oft komplett über Google Mail. Das fängt bei Zugängen für Foren an, geht über den GitHub-Account und kann bis zur Steuererklärung oder zur Kommunikation mit deiner Krankenkasse reichen. Du verlierst vermutlich sogar den Zugriff auf dein Smartphone, mit dem du bezahlst oder dich bei deinem Bankkonto anmeldest. Der digitale Raum hat das reale Leben längst komplett vereinnahmt. Für den einen mehr, für den anderen weniger.
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Grund genug, immer wieder für digitale Souveränität zu werben. Aber darum soll es hier nicht gehen. Ich will eine andere Frage aufwerfen und mit einer aktuellen Meldung das Problem verdeutlichen: Google hat das Konto eines japanischen Manga-Zeichners gesperrt [ borncity.com ]. Das ist nicht das erste Mal und betrifft nicht nur Google. Auch Microsoft ist dafür bekannt, Konten zu löschen oder zu sperren.
- ‘Microsoft killed my online life,’ Microsoft is reportedly banning Palestinians in the U.S. for life for calling relatives in Gaza
- Need help, locked out of Google account with 10 years of personal data
- Microsoft Account Suspension Leads to Loss of 30 Years of Personal and Professional Data
- Account Terminated without Warning: Victim of Scam - Seeking a Second Chance after 1.5 Years
Das klingt erstmal nach einer Banalität. Dann fehlen halt ein paar E-Mails. Aber wie ich eingangs schon beschrieben habe, hat sich der einfache E-Mail-Account, ob nun von Google oder anderen Anbietern, von einem reinen digitalen Kommunikationsmedium zu einer zentralen Verknüpfung mit der realen Identität entwickelt. Es geht nicht nur um E-Mails, sondern um die Repräsentation der eigenen Persönlichkeit im digitalen Raum.
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Und damit tragen Anbieter wie Google eine besondere Verantwortung, die weit über das Verhältnis Kunde-Unternehmen hinausgeht. Auch wenn Google primär und nachvollziehbar nach wirtschaftlichen Interessen handelt, ist der Einfluss auf eine unverzichtbare Grundversorgung enorm. Wenn es um den Zugang zum Internet geht, hat die Politik den Providern wichtige Regeln auferlegt, das geht sogar so weit, diesen Zugang als Grundrecht anzuerkennen. Die großen Identitätsplattformen wie Google fungieren aber noch weitgehend unreguliert, wenn es um die Verantwortung im Rahmen der Daseinsvorsorge geht. Google kann als Privatunternehmen selbst und relativ intransparent entscheiden, wann ein Account gelöscht wird. Es gibt kein neutrales Einspruchsverfahren oder gar eine “in dubio pro reo”-Regelung.
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Das ist ein Problem. Der Ruf nach digitaler Souveränität ist hier auch nicht der richtige Schritt, weil er die Verantwortung auf die KonsumentInnen überträgt. Frag doch mal deine Eltern, Mitte 60, ob sie den E-Mail- und LDAP-Server nicht selber hosten können. Man darf nicht übersehen, dass nicht jeder ohne Weiteres in der Lage ist, souveräne Alternativen zu implementieren.
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Und deshalb ist die Politik gefragt, die Regeln für die Account-Verwaltung durch große Unternehmen besser zu überwachen, um die Entscheidungsgewalt in die Hände einer neutralen Partei zu legen.
Zusammenfassung
Der Beitrag argumentiert, dass große Identitätsplattformen wie Google und Microsoft wegen ihrer gesellschaftlichen Relevanz stärker reguliert und mit neutralen Einspruchsverfahren versehen werden müssen.
Hauptthemen: Digitale Identität Digitale Souveränität Plattformregulierung Google Microsoft Daseinsvorsorge
Schwierigkeitsgrad: mittel
Lesezeit: ca. 5 Minuten