WordPress Page Builder – Pro und Contra

Page Builder oder auch Theme Builder haben ihre Daseinsberechtigung, gar keine Frage. Davon zeugt vor allem ihr Erfolg und ihre Verbreitung. Allerdings sollte man sich gut überlegen, für welches Projekt man Page Builder oder Theme Builder einsetzt.
Eins vorweg: Ich bin wahrlich kein Freund von Page Buildern. Jede Begegnung mit Page Buildern hat bei mir immer für Kopfschmerzen gesorgt. Entweder hat ein Update den Page Builder unbrauchbar gemacht. Oder der Nutzer konnte den als intuitiv angepriesenen Page Builder gar nicht erst bedienen und ich musste mich damit rumärgern. Es gibt für mich eigentlich kein denkbares Szenario, in dem ein Page Builder Sinn macht. Trotz allem versuche ich Page Builder möglichst objektiv zu bewerten. Nicht alle hier aufgeführten Punkte betreffen jeden Page Builder, sie können dir aber helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Pro

Webdesign für Laien – ohne HTML-, CSS- und JavaScript-Kenntnisse. Wenn es um kleinere oder Hobby-Projekte geht, ist man bei einem Page Builder gut aufgehoben. Man kann sich auf das Erstellen der Inhalte konzentrieren. Ein recht ahnsehnliches, modernes Layout lässt sich ohne tiefe technische Kenntnisse realisieren.

Viele Funktionen aus einer Hand – Wer seine Seite mit allerlei Funktionen, Google Maps, Tabellen, Formularen usw. anreichen möchte, macht mit einem Theme Builder nichts falsch. Page Builder liefern eine Vielzahl von Funktionen und Elementen mit, die viele Ansprüche an eine moderne Webseite erfüllen.

Contra

Kompatibilität – jedes zusätzliche Plugin erhöht die Komplexität deiner Installation. Bei jedem Update anderer Plugins oder des Page Builders besteht die Gefahr, dass sich Komponenten nicht vertragen oder der Page Builder komplett oder in Teilen gar nicht mehr funktioniert. Dann beginnt die aufwendige Fehlersuche. Das Risiko lässt sich mit einem selber angepassten Theme sicher nicht ganz ausschließen, allerdings gerät die Fehlersuche hier einfacher.

Sicherheit – jedes zusätzliche Plugin, vor allem wenn es so populär ist, kann Sicherheitslücken enthalten.

Layout – Bei einem Page Builder ist die Gestaltung der Seite im Backend abgebildet und nicht wie üblich über CSS und HTML. Natürlich verwendet auch ein Theme Builer CSS und HTML – gemeint ist aber die Pseudo-Sprache des Theme Builders. Bei einem Theme Builder ziehst du per Drag’n’Drop ein Gestaltungselement in deinen Beitrag und diese Information wird als Meta-Datum im Beitrag abgelegt. Das Layout ist mit dem Inhalt und dem Theme Builder eng verwoben und es handelt sich um eine eigene “Layout-Definition”. Beim Wechsel auf einen anderen Page Builder geht diese Information verloren.

Performance – das Erstellen aufwendiger Layouts mit Animationen und Spezialeffekten mit nur wenigen Maus-Klicks geht oft zu Lasten der Geschwindigkeit, weil auch nicht benötigte Module geladen werden. Außerdem müssen die ganzen hübschen Animationen auch berechnet werden. Das erfordert unnötige Rechenleistung. Das mag kleinlich klingen, aber das ist nicht nur in Grenzfällen von Bedeutung.

Usability #1 – die Zeiten von Macromedia Flash und aufwendigen Animationen auf den Websiten sind zum Glück lange vorbei. Wer nicht gerade eine Website für ein hippes Games-Studio baut, muss auf seiner Website niemanden mit unzähligen aufwendigen Animationen überzeugen. Bei PowerPoint-Präsentationen sind einfliegende Bilder, pulsierende Überschriften und andere Gimmicks schon lange verpönt, in der Page-Builder-Branche ist man leider noch nicht so weit.

Usability #2 – Das ganze trifft allerdings auch auf das Backend zu. Page Builder bieten sehr viele Funktionen an und sind daher relativ komplex aufgebaut, vor allem wenn man ein ausgefallenes Layout hinterlegt. Jemand, der sich nur mit den Inhalten beschäftigen will, läuft zu Beginn Gefahr, bereits an der Nutzung des Page Builders zu scheitern. Der WordPress-Editor ist zurecht relativ simpel gehalten. Selbst jemand, der fit in der WordPress-Bedienung ist, benötigt erstmal Einarbeitung, um auch einen Theme Builder sicher bedienen zu können.

Modularität – Die Modularität von WordPress ist ein riesiger Vorteil, da so verschiedene Aufgaben unabhängig voneinander gelöst werden können. Plugin-Entwicklung, Inhalte und Layout sind strikt voneinander getrennt (wenngleich sie sich natürlich gegenseitig referenzieren dürfen). So kann ich in einer Entwicklungsumgebung mit einem Child-Theme ein neues Layout entwickeln und das dann in ein Live-System integrieren, indem ich einfach nur die Quelle-Dateien kopiere. Ein Page-Builder konterkariert das: Das Grenze zwischen reinem Webdesign und Inhaltserstellung verschwimmen, da nun der WordPress-Texteditor dafür missbraucht wird, die Gestaltung der Seite maßgeblich zu beeinflussen. Das mag bequem sein, erschwert aber die Weitergabe, da nun nicht nur des WordPress-Theme weitergegeben werden muss, sondern auch der komplette Inhalt der Beiträge.

Abhängigkeit – Klar – wer seinen Page Builder liebt, der wird ihm nicht den Rücken kehren. Aber rein hypothetisch: Was ist, wenn du irgendwann doch mal weg willst, von deinem Page Builder? Dann stehst du vor einem Problem: Du musst das Layout komplett neu aufbauen und im schlimmsten Fall auch sämtliche Inhalte überarbeiten.

Gutenberg – der gute Theme Builder?

Gutenberg ist in der Tat nichts anderes als ein Theme Builder und tatsächlich treffen die oben genannten Vor- und Nachteile größtenteils auch auf Gutenberg zu. Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied: Gutenberg ist Teil von WordPress. Das Entwickler-Team von WordPress hat bei der Entwicklung von Core-Funktionalitäten immer auch die Kompatibilität mit Gutenberg im Blick.

Fazit: Im Zweifel gegen die Page Builder

Man darf sich von der eigenen Bequemlichkeit nicht verleiten lassen. Auf den ersten Blick nehmen Page Builder dir sehr viel Arbeit ab. Anfänger scheuen es verständlicherweise, sich mit JavaScript, CSS und HTML auseinandersetzen zu müssen. Doch die Zeit, die sie zu Beginn durch den Einsatz eines Page Builders sparen, geht später dafür drauf, sich mit all den Unannehmlichkeiten auseinander setzen zu müssen. Ich will nicht sagen, dass Page Builder keine Daseinsberechtigung haben – der Erfolg gibt ihnen schließlich recht. Allerdings begegnet man in den einschlägigen Foren auch vielen Hilfesuchenden, die Opfer ihre anfänglichen Bequemlichkeit werden.

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