Auf geht’s liebe Lesenden… Teil 2 des Mammut-Projekts! Übrigens: Es wird angenommen, dass “Mammut” auf den Begriff “jěaŋ-ŋammurəttaə” aus einer sibirische Sprache zurück geht, zu deutsch: “Erdfresser”. Leider haben sie dann doch nur ins Gras gebissen. Wait, what?
Egal. In der Zwischenzeit hatte ich einen kurzen Schreckmoment, also ich durch Zufall auf eine potentielle alternative Datenquelle gestoßen bin. Tja. Anstatt mir Nächte, Tage und Stunden um die Ohren zu schlagen, um die Statemachine zu entwickeln, hätte ich vielleicht besser recherchieren sollen! Moment mal! Ich habe sehr ausführlich recherchiert!
(╯°_°)╯︵ ┻━┻)
Wovon rede ich überhaupt? Just vor einigen Tagen bin ich über diesen Korpus von Seán Fobbe gestoßen:
Doch “zum Glück” weist diese Quelle nicht das gleiche “Maß an Struktur” auf, auch Seán “scheitert” daran, dass erst die detaillierte Aufbereitung erst ab der 18. Wahlperiode zur Verfügung steht:
[…] Aufteilung in Einzelreden u.a. mit ID, Name, Fraktion und Amt der Redner:in (ab 18. Wahlperiode) Aufteilung in Protokollbestandteile: Inhaltsverzeichnis, Sitzungsverlauf, Anlagen, Rednerliste (ab 18. Wahlperiode) […]
Nichtsdestotrotz habe ich den Korpus genutzt, um meine Pipeline ab Legislaturperiode 18 zu challengen und noch einmal ein paar kleinere Parser-Probleme zu behebenn. Aus dem Grund haben sich im ersten Teil auch einige Zahlen leicht geändert.
In diesem Teil soll es nun um Reden, Zwischenrufe und ganz konkret Politiker und Politikerinnen gehen. Und deshalb hier noch mal sehr deutlich der Hinweis (und dann war es das auch schon mit der Prosa, versprochen): Auch wenn ich zuversichtlich bin, dass die Daten sauber aufberreitet und strukturiert wurden: Es fand kein Peer-Review des Prozesses oder meiner Annahmen statt. Daher sollte man die Erkenntnisse mit der gebotenen Skepsis betrachten, gerade weil es um konkrete Namen und Aussagen von realen Personen geht.
Auf gehts!
Schweigen ist silber, Reden ist Gold
Im Bundestag wird sehr viel geredet. Aber nicht jede Rede ist auch eine Rede. Ich habe mir erlaubt, drei Kategorien zu erkennen:
- Sitzungsleitung - also Wortmeldungen des Präsidenten oder der Präsidentin, organisatorisch oder als Einleitung einer “Rede”
- Rede - eine Wortmeldung die sich inhaltlich mit einem politischen Thema auseinandersetzt
- Zwischenfragen - eine Frage oder Bemerkung mit direktem Bezug zur aktuellen Thematik bzw. Rede
Zwischenfragen gibt es seit dem 10. Dezember 1953 . Sie sollen die parlamentarische Diskussion auflockern. Die allererste Zwischenfrage gab es am 5. Februar 1954 vom FDP-Abgeordneten Dr. Max Becker:
„Herr Präsident, gestatten Sie eine Zwischenfrage an den Herrn Redner?“
Erst in 1985 wurde beschlossen, die Zeit der Zwischenfrage nicht in die Redezeit des jeweiligen Redners einzubeziehen. Seit 1989 gibt es einen weiteren Typus: die Kurzintervention (Zwischenbemerkungen).

Der Korpus umfasst fast eine halbe Million “Reden”, und etwas mehr als 440.000 “Sitzungsleitungen”. Das ist erwartbar: Die Sitzungsleitung kündigt ein Thema aus den Tagesordnungspunkten an und ein Thema kann aus mehr als einer Rede bestehen (unterschiedliche SprecherInnen). Die Anzahl der Zwischenrufe muss man mit äußerster Vorsicht genießen: Meine heuristische Methodik deckt sich sehr oft nicht mit der tatsächlichen Anzahl.