50 Ausgaben der Nerd Enzyklopädie! Zeit für ein besonders Thema: Das Symbol, das wie kein anderes für den Siegeszug des Internets steht. Nein nein, nicht das Smiley. Und auch nicht der BSOD. Karl die Heftklammer ist es auch nicht (aber nah dran, schau mal genau hin). Genauso wenig wie das e mit dem Heiligenschein oder das kleine AOL-Männeken.
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OK, was soll der Quatsch. Im Titel steht ja, worum es heute geht:
Der Klammeraffe! Also known as: Das @-Zeichen. Oder auch Affenschwanz, Affenohr, Affenschaukel, Elefantenohr (Island), Schnecke (Italien), Ente (Griechenland), Hund (Russland), Wurm (Ungarn) oder schlicht das verrückte A (Serbien). Und ganz deutsch und hochoffiziell nach der DIN 5008: Das Adresszeichen.
Das @-Zeichen hat viele Namen und ist aus der modernen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. Man könnte meinen, seine Ursprünge liegen dort, wo auch das Internet aus der Taufe gehoben wurde. Denkste! Tatsächlich wissen wir gar nicht so genau, wo dieses putzige a im Kreis seinen Ursprung hat.
Die älteste bekannte Darstellung geht auf das Jahr 1345 zurück. In einer bulgarischen Übersetzung der “Griechischen Chronik” von Constantine Manasses (im Original “Synopsis Chronike”) wird das @ Zeichen als Initial für Amen („amin“) genutzt. Warum die Übersetzer oder Schreiber diese Schreibweise wählten, ist nicht bekannt.

Im Jahr 1448 taucht das @ als Maßangabe auf der iberischen Halbinsel auf. Auf den Wein und Olivenfässern der damaligen Zeit lässt sich heute noch das @-Zeichen erkennen. Es war die Kurzform von arroba, das auf das arabische „al rub“ (الربع) für „ein Viertel“ zurückgeht ( Quelle ). In Spanien, Portugal und Brasilien hat sich Arroba als Name für das @-Zeichen bis heute durchgesetzt.
Im französischsprachigen Raum soll sich das @ aus dem à entwickelt haben:

Auch die Ableitung aus der Sprache aller Sprachen - dem Lateinischen - darf freilich nicht fehlen: Im Lateinischen soll das @ schlicht ein verschnörkeltes und verzerrtes ad darstellen – was so viel wie „zu“ bedeutet.
Außerdem wurde das @ Zeichen schon damals im kaufmännischen Bereich als Bezug bzw. Preisangabe verwendet – daher auch die noch heute geläufige Bezeichnung „kaufmännisches a“:
1 Fisch á 1 Euro oder 1 Fisch @ 1 Euro
Den ersten zaghaften Gehversuch auf einer „Tastatur“ startete das @-Zeichen im Jahr 1889: Auf der Schreibmaschine Hammond 1 teilte sich das @ eine Taste mit dem X und dem 7/8 Symbol.
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In den 1950er Jahren wurde das @-Zeichen zunächst in den Zeichensatz BCDIC aufgenommen. Und so begann der Siegeszug in die digitale Welt. Im zivilen Ableger des FIELDATA-Projekts der US Army, einem wichtigen Vorgänger des ASCII-Zeichensatzes, diente das @ als Trennzeichen („Master Space“) zwischen Anweisungen und Daten ( Quelle ), seit 1963 gehört das @ auch zum populären ASCII-Zeichensatz.
Im Jahr 1971 war es dann schließlich so weit: Ray Tomlinson bastelte an einem Nachrichten-System für das Arpanet, dem Vorgänger des Internets. Allerdings nur inoffiziell. Angesprochen auf seine Arbeit, antwortete er mal scherzhaft:
“Don’t tell anyone! This isn’t what we’re supposed to be working on.” Legends (Sasha Cavender, 10.05.1989) ( Quelle )
Auf der Suche nach einem ungenutzten Zeichen, das Empfänger-Name und Computer voneinander trennt, stieß Tomlinson in eben jenem ASCII-Zeichensatz auf das @-Zeichen:
john.doe@example.com
Die E-Mail-Adresse war geboren! Und das @ wurde zu einem der ikonischsten Symbole der modernen Kommunikation.
Übrigens: 2010 erklärte Tomlinson in einem Interview, dass er die Schreibweise email anstelle von e-mail bevorzugt, da das den Vorrat von Bindestrichen nicht gefährdet und der Begriff ja nun lange genug in Verwendung sei ( Quelle ).
Zusammenfassung
Das @-Zeichen hat eine lange, teils rätselhafte Geschichte und wurde 1971 durch Ray Tomlinsons E-Mail-Adressformat endgültig zum Symbol der digitalen Kommunikation.
Hauptthemen: Internetgeschichte E-Mail ASCII Computergeschichte Typografie
Schwierigkeitsgrad: beginner
Lesezeit: ca. 6 Minuten