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Schon mal vom KI-Kreislauf gehört? Nein?

Nicht schlimm, pass auf:

Die Wertschöpfungskette

Wir nutzen die Dienste von OpenAI und Co. Und die laufen auf riesigen Rechenzentren, die gerade rund um die Welt aus dem Boden gestampft werden. Die entscheidenden Bauteile hier sind “Chips”. Das KI-Zeitalter hat hier vor allem den berühmt-berüchtigten GPU zum Durchbruch verholfen.

Die Chips werden in speziellen Fabriken hergestellt. Die wichtigsten Betreiber sind TSMC, Intel und Samsung. Für diese Fabriken werden drei wichtige Komponenten benötigt: Spezielle Speicher (HBM, High Bandwidth Memory), extrem teure Lithografie-Maschinen und das “Chip-Design” - vor allem NVIDIA ist hier den meisten ein Begriff. Aber tatsächlich wollen hier alle großen Player etwas vom Kuchen abhaben.

Apple ist mit seiner M-Reihe schon seit einigen Jahren sehr erfolgreich. Meta hat mit MTIA einen eigenen Chip im Portfolio. Bei Amazon sind es Trainium und Inferentia. Google hat eine eigene TPU-Reihe. Microsoft setzt auf MAIA. Und natürlich die alten Bekannten: Intel, AMD, IBM und ARM.

Der ganze Spaß muss natürlich auch mit Strom versorgt werden, weshalb die großen Cloud-Provider mittlerweile sogar eigene Kraftwerke bauen und betreiben, aber das nur am Rande.

Finanziert wird das ganze Spektakel durch uns, private Kunden und natürlich Unternehmen, sowie durch Investoren. Ganz vorne dabei: BlackRock, MGX und SoftBank.

KI Supply Chain
KI Supply Chain

Der Kreislauf

Im Prinzip ist das eine ganz normale Wertschöpfungskette. Aber sie hat einige Schwachpunkte. Und die schauen wir uns mal genauer an. Denn ein erheblicher Teil des Wirtschaftswachstums der USA (~2% in 2025, Quelle ) stammt aus der IT-Branche und zu einem Gutteil aus dem KI-Ökosystem ( Quelle ).

Oracle

Ein wichtiger Wachstumstreiber in dem ganzen System ist Oracle. Auch Oracle baut Rechenzentren im großen Stil. In 2024 hat Oracle einen Gesamtumsatz von rund 53 Mrd. USD erzielt ( Quelle ), wobei das Cloud-Segment ein wichtiger Wachstumstreiber ist. In den Büchern stapeln sich Aufträge für die Cloud-Infrastruktur im Wert von über 60 Mrd. USD ( Quelle ).

Woher kommen diese Aufträge? Auftritt: OpenAI!

OpenAI

Sam Altman kündigte noch 2024 die Investition von 7 Billionen USD an ( Quelle ). Im Moment (also 2025) macht seine Firma etwa 13 Mrd. USD Umsatz pro Jahr ( Quelle ) - aber allein im letzten Quartal 2025 beläuft sich der Verlust auf 11,5 Mrd. USD ( Quelle ) - mindestens.

Zusammen mit Broadcom – einem Chip Designer – arbeitet man an eigenen „KI-Beschleunigern“ ( Quelle ). Davon profitiert im Moment vor allem Broadcom: Analysten erwarten, dass Broadcoms Umsatz dank KI auf über 10 Mrd. USD steigen wird (Quelle ebenda).

So weit, so spannend und teuer.

Weil OpenAI das natürlich nicht alleine covern kann, springen Partner ein. Auftritt: Microsoft und NVIDIA.

Microsoft

Microsoft macht rund 280 Mrd. USD Umsatz im Jahr (2025, Quelle ) und ist bekanntermaßen enger Partner von OpenAI. Und Microsoft investiert massiv in KI-Infrastruktur:

  • 3,2 Mrd. Euro in Deutschland ( Quelle )
  • 80 Mrd. in Datenzentren ( Quelle )
  • 10 Mrd. USD in Portugal ( Quelle )
  • 17 Mrd. USD in Indien ( Quelle )

Und so weiter und so fort. Unter anderem bis 2025 auch 13 Mrd. USD in OpenAI ( Quelle ). Das ist aber keine Einbahnstraße - gleichzeitig kündigt OpenAI 250 Mrd. USD Investitionen in die Azure-Cloud ( Quelle ).

Das ist noch nicht alles: Microsoft und OpenAI planen das Projekt “Stargate”. Ein Supercomputer für 100 Mrd. USD, der die Entwicklung von AGI sichern soll ( Quelle ) - aus technologischer Sicht fantastische Neuigkeiten.

Du denkst das ist schon alles? Nein nein, warte: Obwohl Microsoft und OpenAI ziemlich dicke sind, haben die Redmonder Ende 2025 einen neuen Deal angekündigt: Zusammen mit NVIDIA (10 Mrd. USD) beteiligt sich Microsoft (5 Mrd. USD) an Anthropic ( Quelle ). Im Gegenzug verpflichtet Anthropic sich dazu, Azure-Dienste im Wert von 30 Mrd. USD zu nutzen.

Von der linken Tasche in die rechte Tasche und zurück…sieht da noch einer durch?

Übrigens versucht sich Microsoft mit dem eigenen Chip “MAIA” von der NVIDIA-Abhängigkeit zu lösen ( Quelle ).

NVIDIA

NVIDIA macht AnlegerInnen glücklich: Für 2025 liegt der Umsatz bei 160 Mrd. EUR. NVIDIA dominiert bekanntermaßen den Markt und hat damit das nötige Kleingeld. Man kündigt an, OpenAI ebenfalls unter die Arme zu greifen. Mit insgesamt 100 Mrd. USD ( Quelle ).

Doch hier wird es schwierig: NVIDIA investiert 100 Mrd. USD in OpenAI. OpenAI zahlt über die Jahre 300 Mrd. USD an Oracle. Und Oracle kauft bei NVIDIA Chips für die Datenzentren ein (Quelle ebenda). OpenAI ist aber auch mit Microsoft eng verbandelt und Microsoft, naja, kauft auch bei NVIDIA ein und betreibt mit Oracle Rechenzentren.

Das ist… ähm, nun ja… ein Kreislauf. Und es wäre nicht so problematisch, würden da nicht alle irgendwie mit drin hängen:

Das Leben der Anderen

Apple

Apple rüstet seine Rechenzentren mit eigenen Chips der M-Serie (“Project ACDC”) aus, um KI-Funktionen zu betreiben [12.1]. Zusammen mit Haus-und-Hof-Lieferant Foxconn baut man die Server-Kapazitäten aus [6.1].

Aber Apple arbeitet auch mit OpenAI zusammen: ChatGPT wird im Hintergrund für Siri genutzt. Als Gegenleistung gibts aber kein Geld, sondern „nur“ Zugriff auf Apple’s Nutzerdaten - so die Gerüchte ( Quelle ). Apple ist aber nicht sonderlich treu und flirtet wohl mit Anthropic ( Quelle ). Die Bestrebungen Apple’s eine eigene KI auf die Beine zu stellen erweisen sich indes… nun, als schwierig ( Quelle ).

Meta/Facebook

Weiter geht es mit Zuckerbergs Baby: Auftritt: Meta – auch hier steht KI noch weit oben auf der Agenda.Zuckerberg plante 2025 bis zu 65 Mrd. USD in KI zu investieren ( Quelle ). Und irgendwie sollen noch 100e Mrd. Dollar folgen - KI-Zentren so groß wie Manhatten! ( Quelle , Quelle ).

Meta ist ebenfalls guter NVIDIA-Kunde: Meta plant 350.000 H100 Chips zu kaufen, das sind etwa 10 Mrd. USD ( Quelle ).

Aber auch hier gilt “Diversifikation first”: Facebook entwickelt und nutzt mit MTIA einen eigenen KI-Chip ( Quelle ), plant aber auch, bei Google ein paar TPUs abzunehmen ( Quelle ).

Das Problem bei Meta: Die machen mit KI nicht nennenswert Umsatz. Ende 2025 musste Zuckerberg 600 “KI-Stellen” in der KI-Abteilung streichen, um effizienter zu werden ( Quelle ).

Alphabet/Google

Was ist mit Google aka Alphabet? Auch die haben Geld locker: Die Investitionsausgaben für liegen bei rund 85 Mrd. USD ( Quelle ). Google investiert auch massiv in Energie-Infrastruktur und hat z.B. Ende 2025 einfach mal einen Energieversorger (intersect) “eingekauft” ( Quelle ). Preis: 4,75 Mrd. USD - Plus Schulden!

Amazon/AWS

Amazon plant Investitionen von 150 Mrd. USD über die nächsten 15 Jahre in Rechenzentren ( Quelle ).

Und - wen überrascht es - auch Amazon macht mit OpenAI gemeinsame Sache: Insgesamt bekommt OpenAI 48 Mrd. USD - die OpenAI aber für die Nutzung der AWS Cloud ausgeben darf ( Quelle ).

Tesla, Grok & xAI

Weiter geht es mit einem anderen alten bekannten Technologie-Unternehmen, das im Moment aber eher sein eigenes Süppchen kocht, allerdings hat Musk hier offenbar kein so glückliches Händchen: Tesla! Der hauseigne Chip DOJO sollte eigentlich in den selbstfahrenden Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Doch das Projekt wurde Ende 2025 eingestellt ( Quelle ). Stattdessen lässt sich Tesla nun von Samsung beliefern, Kostenpunkt: 16 Mrd. USD.

Und justamente verkünden weitere Unternehmen die Zusammenarbeit mit NVIDIA, xAI/Grok

Lenovo

Langsam wird es mühselig, aber wir wollen Lenovo natürlich nicht vergessen: Lenovo steigt mit NVIDIA ins Bett ( Quelle ).

CoreWeave

Neben Oracle und Microsoft gibt es noch einen großen “Vermieter” von Rechenzentren, den die wenigsten kennen dürften: CoreWeave. Die stammen aus der Kryptomining-Szene, in der die Gewinnmargen in den letzten Jahren ja irgendwie eher gesunken sind. Also hat man sich neue Betätigungsfelder ausgesucht und vermietet. die riesigen GPU-Bestände einfach an KI-Firmen.

Dazu gehört unter anderem natürlich auch OpenAI - Bonjour! OpenAI hat sich bisher mit knapp 12 Mrd. USD bei Coreweave gütig gezeigt, und die Summe wird noch mal um 4,9 Mrd. USD aufgestockt ( Quelle ).

CoreWeave arbeitet aber auch sehr eng mit Microsoft zusammen, Redmonds Anteil an CoreWeaves Umsatz beläuft sich 2025 auf gut 62 % - knapp 1,2 Mrd. USD.

Und natürlich setzt auch CoreWeave NVIDIA-Chips ein – der Kreis bleibt geschlossen…

Blackrock, Softbank & Co.

Damit das Ganze nicht versiegt, pumpen auch große institutionelle Investoren wie BlackRock und SoftBank Geld in den Kreislauf. Von BlackRock sind das z.B. 30 Mrd. USD – in einer Partnerschaft mit Microsoft für Infrastruktur ( Quelle ). SoftBank ist mit 41 Mrd. USD neben Microsoft der zweitgrößte Anteilseigner von OpenAI. Unter dem “Projekttitel” “Izanagi” sollen über die Jahre weitere 500 Mrd. in ein Projekt mit Oracle und OpenAI fließen.

Die Profiteure

Der Gewinner der ganzen Chose sind vermutlich die Unternehmen am Anfang der Wertschöpfungskette. Wie z.B. ASML aus den Niederlanden oder TSMC aus Taiwan. Von ASML stammen die extrem teuren Lithografie-Maschinen, die für die Chipproduktion benötigt werden (EUV). TSMC ist weltweit der größte Auftragsfertiger für Chips und profitiert enorm vom KI-Hype: Der Gewinn (!) stieg allein im dritten Quartal 2025 um 39% ( Quelle )!

Anfang 2025 kündigte TSMC Investitionen von bis zu 165 Mrd. USD an, maßgeblich für Chip-Fabriken in den USA ( Quelle ).

Profiteure sind außerdem die Speicher-Lieferanten: High Bandwidth Memory! Die Speicher stammen von Micron (USA), Samsung und dem Marktführer SK Hynix (beide Südkorea).

Der Umsatz mit HBM explodiert! Bei z.B. Micron stieg der Umsatz um 38% gegenüber dem Vorjahr an (2025, Quelle ). Man geht davon aus, dass der HBM-Markt von 2024 bis 2033 um über 21% (CAGR) steigen wird ( Quelle ).

Im Moment sorgt die steigende Nachfrage vor allem für explodierende Preise: Hersteller steigen auf die profitablen HBM-Speicher um, weshalb die Preise für “normale” Speicher in die Höhe schießen ( Quelle ).

Das Fazit

Und wo ist jetzt das Problem? Die Branche boomt! Der Markt wächst! Das ist doch spitze!

Im Prinzip sehe ich das ganz genau so. Die Technologie ist beeindruckend und entwickelt sich rasant weiter.

Aber… die kritischen Stimmen werden immer lauter. Denn, auch wenn das Geflecht kaum noch durchschaubar ist, deutet sich etwas an: Ein Großteil des Wirtschaftswachstums der USA wird nur durch den KI-Boom befeuert.

Für sich allein genommen wäre das vielleicht höchstens bedenklich, hinzu kommt aber der “Kreislaufcharakter”! OpenAI leiht sich bei NVIDIA einen Stapel Geld, kauft damit Microsoft ein und Microsoft kauft damit Chips von NVIDIA ( Quelle ). Um nur einen kleinen Ausschnitt zu zeigen.

Das ganze ist nicht sonderlich nachhaltig und eine fragile Wette auf die Zukunft, nicht nur für die USA.

Im Zentrum steht Branchenprimus NVIDIA und die Frage, wie lange das noch so sein wird. Denn wir haben schon viele Branchenprimi (tjaha, das ist tatsächlich die Mehrzahl von Primus!) kommen und gehen sehen. Erinnerst du dich noch an Nokia? Blackberry? Yahoo? Xerox? ( Quelle ).

“Too big too fail” ist kein Garant.

Und natürlich OpenAI - ein wichtiger Treiber, der im Moment aber sehr viel Geld verbrennt, um den Markt zu dominieren. Bei Amazon hat sich das seinerseit bewährt - verfolgt OpenAI eine ähnliche Strategie?

Ist dir aufgefallen, dass in dem ganzen Text ein Unternehmen nicht näher genannt wurde?

Genau: IBM! Auch IBM investiert massiv in KI - gar keine Frage. Aber Arvind Krishna, CEO von IBM, schlägt etwas nüchternere Töne an. Die hohen Investitionen wären kaum rentabel ( Quelle ):

“Die KI-Wette kann nicht aufgehen”.

Ich hab natürlich versucht, die zusammengetragenen Zahlen irgendwie in ein überschaubares Netzwerk zu drücken, aber die Verbindungen sind so verworren, viele Unternehmen tanzen auf unterschiedlichen Hochzeiten und es gibt so viele Kreisläufe, dass das schnell unübersichtlich wird. Deswegen an dieser Stelle “nur” eine Auflistung der wichtigsten Player und Stufen in dem Wertschöpfungsprozess.

KI Supply Chain - Detail
KI Supply Chain Detail

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Zusammenfassung

Der KI-Kreislauf: Wie Unternehmen wie OpenAI, Microsoft und NVIDIA miteinander verflochten sind


Hauptthemen: KI Wirtschaft Technologie NVIDIA OpenAI Microsoft

Schwierigkeitsgrad: Mittel

Lesezeit: ca. 10 Minuten