Wer sich mit Nerd-Kultur beschäftigt, kommt am Bastard Operator From Hell, kurz BOfH (zu deutsch sinngemäß in etwa „Mistkerl-Admin aus der Hölle"), nicht herum.

Der BOFH ist eine fiktive Figur aus den satirischen Erzählungen von Simon Paul Travaglia, die erst in einer Universität, später in einem Büro als Operator - also einer Art Service-Mitarbeiter oder laut Wikipedia „Systembetreuer“ - tätig ist.

Travaglia arbeitete Ende der 1980er Jahre an der Universität von Waikato (Neuseeland) selbst als Operator. Seine Aufgabe war der technische Support und er beschreibt seinen, wie er es selbst nennt, nervigen und langweiligen Arbeitsalltag so:

All the power and none of the responsibility. Good Times. You could do ANYTHING to a user and no-one would know. Well, they’d know, but they couldn’t prove a thing. ~ Travaglia (BOFH1)

Bei einem Umzug in ein anderes Gebäude fiel ihm ein alter ungenutzter Tandy TRS-80 Model 100, Spitzname Trash 80, in die Hände. Der Trash 80 war der Vorläufer des modernen Notebooks. Das RS steht für Radio Shack, einem bekannten Elektronikhändler in den USA. Travaglia verfasste damit in seiner Freizeit, wie er es selber nannte, zusammenhangslose, „seltsame" Geschichten („oddball stories"). In regelmäßigen Abständen nahm er das „Notebook“ mit ins Büro, um dort einige seiner „Rants“ im Usenet unter dem Titel „Striped Irregular Bucket“ zu veröffentlichen. In einem dieser Rants beschreibt er den wenig zimperlichen Umgang mit einem Hilfesuchenden Angestellten wie folgt (MYTH1) :

“Um, I can’t find my files” the wimpering simp on the phone says

“Files? What files?”

“The files in my account. My thesis, my research - all gone!”

“Gone ay? What’s your username?”

“TURGEN”

“TROJAN?! LIKE THE CONDOM?”

“No TURGEN. T-U-R”

“OH Turgen, like TURD, but with a GEN instead of a D… Ok lets see” I make vague clicking noises my dragging the quicklimed man’s fingers back and forth across the keypad. “Uh-huh” >drag drag< “Yeah..” >dragedy poke< “AH! - You haven’t got any files”

“I KNOW!”

“Well, what are you calling ME for? We don’t make the files you know, we just look after them. And chopitty-chop too, your thesis looks like it’s due in a couple of days..”

I hang up - he’ll call back. Meantime I open up a copy of “VMS BASTARD OPERATORS MANUAL FROM HELL” I’m reading the article I sent in about getting rid of those trouble users…

[…]

Diese und zahlreiche weitere Erzählungen des zynischen, gemeinen und bis dahin noch unbekannten Operators fanden recht schnell großen Anklang, dennoch pausierte er seine Arbeit daran zunächst, wohl auch weil ihm die Inspiration fehlte (BJASH1) . Ende der 1992er Jahre arbeitete er in London für Enterprise Oil PLC, einem damals sehr erfolgreichen Ölförderunternehmen, aber das hat für die Geschichte keine Relevanz. Travaglia verfasste hier zwei weitere Episoden über den BOFH und erinnert sich vor allem an den abenteuerlichen Prozess der Veröffentlichung: Die Enterprise Oil besaß keinen Zugang zum Internet, also schlich er sich abends in das University College London, schrieb dort einige Geschichten, die er über einen langsamen Telnet-Zugang auf einer Virtuellen Maschine im Usenet veröffentlichen konnte. Travaglia kehrte London den Rücken und begab sich wieder nach Neuseeland, um dort als Analyst Programmer zu arbeiten. Er veröffentlichte nun nur noch sporadisch neue Episoden bis er, ermuntert durch Maxwell Cooter, Journalist beim Network Week Magazin, in fast regelmäßigen Abständen neue BOFH-Geschichten für eben das Network Week Magazine, später auch The Register oder Datamation zu schreiben und sogar in Buch-Form zu veröffentlichen. Auch wenn der teils schmerzbefreite Humor ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein scheint, ist der BOFH nach wie vor ein fester Bestandteil der Nerd-Kultur. Florian Schiel begann 1997 damit die BOfH Geschichten ins Deutsche zu übersetzen, und entwickelt später mit dem BAfH einen eigenen erfolgreichen deutschen Ableger. Der BAfH treibt sein Unwesen als Systemadministrator an der Universität München.

Wer die Welt einmal aus der Sicht eines unterforderten, aber auch ziemlich arroganten und gelangweilten Administrators erleben möchte, der sollte sich BOfH und BAfH auf die Liste der Bettlektüre setzen. Eine fast vollständige Sammlung aller Erlebnisse von Travaglias Original gibt es hier: (ARCH1)